3-1 Louise Elisabeth

Marie Louise Élisabeth
«Madame Louise-Élisabeth»
Madame Première, Madame Infante

(14.08.1727 - 06.12.1759)

Louise Elisabeth (Jean-Marc Nattier)



Louise Elisabeth und ihre Zwillingsschwester Anne Henriette wurden als die ersten Kinder von König Louis XV und Königin Marie Leszczyñska in Versailles geboren und wuchsen am französischen Hof ihres Vaters auf.

 
Geburt der Zwillingsschwestern am 14.08.1727

 
Louise Elisabeth auf dem Schoß ihrer Gouvernante

 
Die Mesdames Elisabeth und Henriette mit ihrer Amme

Es heißt, Louis XV sei sehr eifersüchtig gewesen und habe - von einer einzigen Ausnahme abgesehen - allen seinen Töchtern eine Heirat verwehrt, damit sie den französischen Hof nicht verlassen konnten und in seiner Nähe blieben.

 
die Zwillingsschwestern Elisabeth und Henriette
(Pierre Gobert)

Vor allem Louise Elisabeth wurde zum besonderen Liebling ihres Vaters, da sie und ihr Vater viele Interessen teilten. Der König nannte seine Lieblingstochter zärtlich Babette. Sie war jedoch die einzige Tochter, die Louis XV der Politik opferte.

1739 endete die Kindheit der Prinzessin, als sie als 12-Jährige im August des Jahres mit ihrem Cousin, dem spanischen Infanten Philippe von Parma (1720-1765), verheiratet wurde und am düsteren spanischen Hof leben musste.
Louise Elisabeth trug von da an den Titel Madame Infante.

Ziel dieses Eheprojekts war eine Festigung der Beziehungen zwischen dem französischen und dem spanischen Bourbonenhaus.

 
Feierlichlkeiten in Versailles am 26.08.1739 anlässlich
der Hochzeit von Louise Elisabeth mit Don Philippe

Am 30.08.1739 musste sich das Mädchen schließlich von seiner Familie und der gewohnten Umgebung verabschieden. Besonders schmerzhaft war für die junge Braut die Trennung von ihrer Zwillingsschwester Henriette, die sie niemals mehr wiederzusehen glaubte.
Die beiden zwölfjährigen Mädchen umarmten sich immer wieder und Louise Elisabeth seufzte mehrmals: "Es ist für immer, mein Gott, es ist für immer!"

 
Elisabeths Ehemann Philippe I. de Parme (Laurent Pécheux)

Im Vergleich zum französischen Hof herrschte in Spanien ein strengeres Hofzeremoniell, das zahlreiche Vorschriften und Verhaltensregeln beinhaltete.
Elisabeth fühlte sich in Spanien nicht wohl und verglich die dortigen Verhältnisse mit einem Marionettentheater und sich selber als Marionette, die sich den Befehlen ihres Schwiegervaters 
Philippe V von Spanien zu unterwerfen hatte. Zudem litt die französische Prinzessin unter dem dominanten Verhalten ihrer Schwiegermutter Elisabeth Farnèse, die sich für die Erziehung des Mädchens verantwortlich fühlte.

Die Beziehung zwischen Elisabeth und ihrem Ehemann Philippe war von Anbeginn zum Scheitern verurteilt, da die junge Prinzessin keine Gefühle für ihren spanischen Gemahl entwickeln konnte. Sie selbst beschrieb das Verhältnis der beiden mit den folgenden Worten: "Ich erstarre jedesmal zu Eis, wenn ich in seinen Armen liege."

Der spanische Hof nahm zudem keine Rücksicht auf die kindlichen Gefühle und Interessen der Prinzessin und so musste die 12-jährige Elisabeth gegen ihren Willen die ehelichen Pflichten gegenüber ihrem älteren Ehemann erfüllen.
Am 31.12.1741 brachte die erst 14-Jährige ihr erstes Kind, eine Tochter namens
Maria Isabella, zur Welt.

  
links: Elisabeth mit ihrer Tochter Isabella (1748, Jean-Marc Nattier)
rechts: Tochter Isabella von Parma (1749, Jean-Marc Nattier)

Elisabeth, die als einsamer Außenseiter am spanischen Hof stets das Puppenspiel dem Ehebett vorgezogen hatte, konzentrierte sich nun vollends auf ihre kleine Tochter und diese enge Beziehung zwischen Mutter und Tochter sollte einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung und das spätere Verhalten der Tochter haben. Isabella wurde auch Zeugin von der zerrütteten Ehe ihrer Eltern und von dem Unglück, das ihre Mutter empfand, wenn ihr Gemahl die Erfüllung der ehelichen Pflichten einforderte.

 
Louise Elisabeth (1745, Louis-Michel van Loo)

 
Louise Elisabeth (Louis-Michel van Loo)

Elisabeth vereinsamte mehr und mehr am spanischen Hof und drückte ihre Verzweiflung in mehreren Briefen an ihren Vater Louis XV aus.
Die Prinzessin, die schon früh einen Hang zur Melancholie hatte, litt immer häufiger unter Depressionen und Stimmungsschwankungen. Sie setzte deshalb alle Hebel in Bewegung, um Spanien verlassen zu können.
Ihr Vater Louis XV führte in dieser Zeit ein Krieg gegen Österreich, mit dem Ziel, einige italienische Gebiete zurückzugewinnen. Im Frieden von Aachen am 18.08.1748 wurden den Bourbonen die Regionen Parma, Piacenza und Guastalla zugesprochen. Im Rahmen dieser Friedenverhandlungen konnte Elisabeth ihren Vater überreden, ihren Gemahl Philippe im Jahre 1748 zum Herzog von Parma und Piacenza zu erheben, und sah in der Übersiedlung von Spanien nach Parma die langersehnte Lösung für ihre Probleme.

Am 11.12.1748 besuchte Louise Elisabeth von Parma ihren Vater Louis XV in Versailles, um ihm für die Erhebung ihres Gatten zum Herzog von Parma zu danken. Im Zuge dieses Besuches freundete sie sich mit der Mätresse ihres Vaters, Madame de Pompadour, an und zog durch diese Haltung die Missgunst der anderen Familienmitglieder und besonders ihrer Mutter auf sich.

 
Louise Elisabeth (Jean-Marc Nattier)

Am 01.07.1748 traten Elisabeth und Philippe offiziell die Herrschaft in Parma an. Dort nahm die Herzogin sogar Anteil an den Regierungsgeschäften und vertrieb sich nebenbei die Zeit mit Jagdausflügen, Theaterbesuchen und Maskenbällen.
Bald besserte sich ihr psychischer Zustand kurzzeitig und Elisabeth besuchte mit ihrer kleinen Tochter Isabella im Jahre 1750 erneut ihre Familie in Frankreich. In Fontainebleau traf Louis XV somit das erste Mal auf seine kleine Enkelin. Im Kreise ihrer Schwestern und ihres Vaters war Elisabeth das erste Mal seit langer Zeit wieder glücklich.

 
Elisabeth de France als "die Erde" (1750, Jean-Marc Nattier)

Sie wusste aber auch, dass es ihre Pflicht als Herzogin von Parma war, einem männlichen Thronfolger das Leben zu schenken, der seinem Vater einst nachfolgen würde.
Obwohl sie das Zusammensein mit ihrem Ehemann mied und sich vor Intimitäten fürchtete, brachte sie im Jahre 1751, also erst 10 Jahre nach dem ersten Kind, zwei Kinder zur Welt: einen Jungen namens 
Ferdinand im Januar und ein Mädchen namens Marie Louise im Dezember des gleichen Jahres.

  
links: Elisabeth 1753 mit ihrem 2-jährigen Sohn Ferdinand (1788, Adélaïde Labille-Guiard)
rechts: Sohn Ferdinand I. de Parme (Pietro Melchiorre Ferrari)

  
links: Ferdinand und Marie Louise de Parme (Giuseppe Baldrighi)
rechts: Tochter Marie Louise (1765, Raphaël Mengs)

Im Gegensatz zu ihrer Mutter und älteren Schwester Isabella, deren Leben von Depressionen und Selbstzweifeln überschattet waren, entwickelte sich die kleine Marie Louise von Bourbon-Parma zu einem selbstbewussten und eigenwilligen Mädchen, das sich keinen Regeln unterwarf, sich später als Königin von Spanien wechselnde Liebhaber hielt und mit ihren Günstlingen die Regierungsgeschäfte Spaniens führte.

 
Elisabeth mit ihrem Gatten Philippe I. de Bourbon-Parma sowie den drei Kindern
Isabella (im Hintergrund), Ferdinand und Marie Louise (Giuseppe Baldrighi)

Im Jahre 1752 starb Prinzessin Henriette von Frankreich, Elisabeths Zwillingsschwester . Die Herzogin von Parma, die über den plötzlichen Tod ihrer Lieblingsschwester schockiert war, brach sofort nach Frankreich auf und verbrachte Stunden am Grab ihrer toten Schwester. Elisabeth sollte bis zu ihrem Lebensende unter diesem Verlust leiden.
In den folgenden Jahren wurde der Körper der Herzogin durch zahlreiche Krankheiten geschwächt. Als Folge der Trauer um die geliebte Schwester verschlechterte sich erneut auch die psychische Gesinnung der jungen Frau und sie begann, sich zunehmend in Parma unwohl zu fühlen. Sie versuchte, dem engen und langweiligen Hof in Parma zu entfliehen, indem sie sich um einen vorteilhaftereren Thron für ihren Mann bemühte. Folglich verbündete sie sich mit Kaiserin 
Maria Theresia, die ihr die österreichischen Niederlande als neues Herrschaftsgebiet versprach. Im Rahmen dieses Bündnisses wurde die Vermählung ihrer ältesten Tochter Isabella mit dem österreichischen Thronfolger Erzherzog Joseph beschlossen.

Ein weiterer Hoffnungsschimmer war der Tod des kinderlosen spanischen Königs Ferdinand VI, der dem Herzogpaar von Parma den spanischen Thron näherbrachte. Die Illusionen von einer besseren Zukunft lösten sich jedoch alle in Luft auf, als Österreich die spanischen Niederlande verlor und Carlos III den spanischen Thron bestieg.

  
links: Louise Elisabeth im Jagdkostüm (1760, Jean-Marc Nattier)
rechts: Louise Elisabeth (1761, Jean-Marc Nattier)

Louise Elisabeth verbrachte während ihrer letzten Lebensjahre mehr und mehr Zeit in Frankreich bei ihrer Familie und erkrankte Anfang Dezember 1759 im Rahmen eines Besuches schwer an den Pocken.
Sie starb am 6. Dezember 1759 im Kreise ihrer Familie in Versailles.

Die Herzogin von Parma wurde am 27.03.1760 wunschgemäß an der Seite ihrer geliebten Zwillingsschwester in Saint-Denis begraben.

Ihr Gemahl Philippe von Parma starb am 18.07.1765 in Alessandria, als er im Zuge der Hochzeitsfeierlichkeiten seiner Tochter, Prinzessin Marie-Louise von Bourbon-Parma, und dem späteren König von Spanien, Carlos IV., seine Tochter nach Genua begleiten wollte.

Louise Elisabeth (unbekannter Künstler) 
Louise Elisabeth (unbekannter Künstler)



Sonstige Infos zu Louise Elisabeth:


          

 

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